eBooks bauen mit Tischer-Technik

Ein Blick auf das Self-Publishing-Seminar mit Wolfgang Tischer in Stuttgart

Schon der Frühmensch kam müde von der Mammutjagd zurück und wusste dennoch die Geschichte des ungleichen Kräftemessens mit Farbe an der Höhlenwand festzuhalten. Ein wenig Farbe dort, ein wenig Farbe hier und fertig ist das Rüsseltier. Nun sind Mammuts inzwischen selten geworden, doch noch immer lohnt es sich, den Rüssel in die technische Seite des Geschichtenerzählens zu stecken.

Das Self-Publishing-Seminar von Wolfgang Tischer in Stuttgart tut genau das. Es bietet einen Überblick über den eBook-Markt und eReader, Online-Shops und Buchpreisbindung, Datei-Upload, Impressumspflicht, eBook-Formatierung, Marketing und dergleichen.

Wie sieht der Mammutjäger der Gegenwart aus? Ein gutes Dutzend Seminarteilnehmer erweckte den Eindruck, das Self-Publishing hauptsächlich eine weibliche Angelegenheit ist. Und was treibt die Damen so um? Sie sind Autorinnen mit und ohne Verlag, mit und ohne bisherige Veröffentlichungen. Sie schreiben zum Beispiel Reiseführer für Leute mit Hund. (Nicht zu verwechseln mit der weiter offenen Marktlücke des Reiseführers für Hunde.) Oder sie verfassen Romane (ein großer Markt). Oder Gebrauchsanweisungen, die man auch versteht (ein kleiner Markt, ich habe ihn immer noch nicht gefunden).

Den vielen X- und wenigen Y-Chromosomen stand nun Herr Tischer vor. Er ist gelernter Buchhändler und hat beizeiten an der Entwicklung von EDV-Systemen für Buchhändler gearbeitet. Neben der Dozententätigkeit ist er heute zahlreichen Self-Publishern als Autor eines eBook-Ratgebers und Betreiber der Seite Literaturcafe.de bekannt.

Sein Werdegang führte also von der technischen Seite der schönen Künste direkt zur schönen Seite der technischen Künste.

Für wen ist das Seminar geeignet?

Es bietet einen guten Rundumblick auf Markt und Möglichkeiten und ist daher besonders Self-Publishern zu empfehlen, die sich noch ein wenig verloren in der Fülle des Neuen fühlen. Ich nehme aus der Veranstaltung mit, dass ich verstärkt auf Absätze achten werde. (Die im Text, nicht die an den Hacken.) Außerdem ist es nun an der Zeit, sich mit Calibre zu beschäftigen, einem Programm zur eBook-Konvertierung. Und ich führe mir die Literaturempfehlung des Dozenten zu Gemüte: die nackte Wahrheit über Self-Publishing. Da kommt »nackt« im Titel vor, das muss gut sein! Nach dem weiten Weg vom Mammutjäger bis zum eBook-Formatierer, den wir hinter uns haben, sind wir zu guter Letzt eben doch die alten Frühmenschen.

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