Star Wars IX - Der Abstieg Skywalkers

--- SPOILER-WARNUNG ---


Lando Clarissian kehrt zurück - und hat etwa so viele Dialogzeilen wie R8.
Lando Clarissian kehrt zurück - und hat etwa so viele Dialogzeilen wie R8.

 

Star Wars IX – der Aufstieg Skywalkers – ist einer der schlechtesten Filme aller Zeiten. Eine unglaubliche Verschwendung von Produktionskosten, Staraufgebot und, ja, auch Herzblut auf Seiten der riesigen Fangemeinde.

 

Als Fan der ersten Stunde bin ich aus dem Staunen im Kinosaal nicht mehr herausgekommen. Dem Staunen darüber, wie man dem Publikum ernsthaft einen solchen Schrott vorsetzen kann.

 

Und dabei gibt der Film sich alle Mühe, gerade alte Fans wie mich zu umwerben. Er lässt alle alten Helden noch einmal erscheinen (sogar jene, die schon tot sind): Luke, Han, Leia, Lando, Chewbacca, R2 und C3PO. Und er zeigt alle Bilder der alten Filme noch einmal: den Todesstern, die Ewoks, Darth Vaders Maske, den Imperator.

 

Und obwohl das zweifellos für nette nostalgische Momente sorgt, ist der Film ein unglaublicher Haufen Bantha-Mist.

 

Warum?

 

Dafür sind zwei Klassen von Fehlern verantwortlich. Ja, man muss hier wirklich von Fehler-Klassen sprechen, weil jede Sorte so unglaublich oft vorkommt, dass man mit dem Zählen des Versagens nicht mehr hinterherkommt.

 

Es sind dies der Hoppla-es-passiert-was-Fehler und der Fluch-der-falschen Finte.

 

 

Chewbacca - die Szene, in der der Imperator ihn zur Strafe rasiert, fehlt leider.
Chewbacca - die Szene, in der der Imperator ihn zur Strafe rasiert, fehlt leider.

Der Hoppla-es-passiert-was-Fehler

 

Ein Plot, eine stimmige Film-Handlung, besteht für gewöhnlich darin, dass Handlungen und Ereignisse andere Handlungen und Ereignisse zur Folge haben, die wiederum ... und immer so weiter bis zum Abspann.

 

Ich hatte das eigentlich immer für selbstverständlich gehalten. Dann kam Star Wars IX.

 

Dort geschehen den gesamten Film über ununterbrochen Dinge aus dem Nichts.

 

Hier nur eine winzige Auswahl, der endlosen Kette von Hoppla-Ereignissen:

 

  • Wir sehen Chewbacca alleine in der Wüste herumlaufen. Wenn wir ihn das nächste Mal sehen, ist er – hoppla – auf einmal Gefangener der Sturmtruppen.
  • Wir sehen den Raumgleiter der Sturmtruppen mit Chewbacca drin explodieren. Kurz darauf erfahren, wir: Hoppla, Chewie war in einem ganz anderen Raumgleiter und ist völlig unverletzt. Der andere Raumgleiter war zwar vorher nie zu sehen und wurde auch nie erwähnt, aber was soll´s? Man kann ihn ja nachträglich einfach – hoppla – in die Handlung einfügen.
  • Die Helden laufen durch die Wüste. Es herrscht totale Stille. Sie gehen um einen Felsvorsprung. Und hinter der Ecke tanzen Abertausende von Außerirdischen zu lauter(!) Musik. Die feiern nicht nur eine 1A-Party, sondern beherrschen offenbar auch die Kunst der - hoppla – spontanen Materialisation.

 

Diese drei Beispiele füllen zusammen nur etwa zwei Minuten Film. Und so geht das 142 Minuten weiter. Es ist wie auf dem Holodeck der Enterprise: Ständig – hoppla – tauchen Dinge, Personen, Ereignisse aus dem Nichts auf. Der Imperator, eigentlich tot, ist schon im Fließtext des Vorspanns – hoppla – wieder lebendig. Grundlos, versteht sich. Die größte Raumflotte des Universums – hoppla – auf einmal da. Aber kein Problem, die gegnerische Seite kann ja denselben Trick: Hoppla, da hat sie auch eine riesen Rumflotte - obwohl vorher ausdrücklich gesagt wurde, dass genau das nicht passieren wird.

 

Und so weiter. 

Und so weiter.

Und so weiter.

 

Dieser junge Mann ist so nett, uns das Prinzip der Finte zu zeigen. Die Ablenkungswirkung steigt, wenn unterstützend der Satz "Schau mal, ein dreiköpfiger Affe" hinzugefügt wird.
Dieser junge Mann ist so nett, uns das Prinzip der Finte zu zeigen. Die Ablenkungswirkung steigt, wenn unterstützend der Satz "Schau mal, ein dreiköpfiger Affe" hinzugefügt wird.

Der Fluch der falschen Finte

 

Eine Plot-Finte in Filmen oder Romanen ist eine knifflige Angelegenheit. Um zu sehen, wie gründlich Star Wars IX dieses Stilmittel ununterbrochen versemmelt, schauen wir uns kurz an, wie eine gelungene Finte funktioniert:

 

Das Musterbeispiel der Finte kennen wir aus dem Detektiv-Krimi. Im Laufe der Handlung verbergen sich Hinweise auf den Mörder. Der Witz besteht darin, dass wir diese Hinweise im besten Fall nicht durchschauen. Das liegt daran, dass um diese leisen Hinweise herum, viel lautere und größere falsche Hinweise - sprich: Finten - gestreut sind. Wir folgen der Spur der scheinbaren Logik und verdächtigen den Mann mit dem offensichtlich gelogenen Alibi oder die Frau, deren Initialen auf dem Seidentaschentuch am Tatort standen.

 

Aber dann kommt die große Aufklärung durch den Detektiv. Der geniale Kopf legt im Finale dar, warum all diese Hinweise falsch sind. Und natürlich hat er (und nur er) die richtigen Hinweise bemerkt, die uns entgangen sind. So schafft es ein guter Krimi, uns am Ende zu überraschen, obwohl wir eigentlich alle entscheidenden Informationen zur Verfügung hatten.

 

 

Und wie macht es Star Wars IX stattdessen?

 

Die Finten hier haben keine innere Logik. Nicht einmal eine Schein-Logik. Der Film lügt das Publikum einfach nur dreist an.

 

Dabei wird das, was man in der Literatur-Theorie den »Vertrag mit dem Publikum« nennt, permanent gebrochen.

 

Dieser Vertrag beinhaltet u.a., dass wir uns auf bestimmte Informationen verlassen können.

 

Gerade in einem Fantasy- oder SciFi-Film ist das enorm wichtig. Wenn z.B. Gandalf sagt, der Eine Ring könne nur im Feuer des Schicksalsbergs vernichtet werden, dann müssen wir uns darauf verlassen können, dass das stimmt. Es wäre halt saublöd, wenn Frodo drei Filmminuten später sagen würde: Hoppla, jetzt hab´ ich ihn doch mit dem Hammer kapputtgekriegt.

 

In Episode IX wird dieser Vertrag ununterbrochen mit Füßen getreten.

 

 

Dieser junge Mann schwört dem Bösen ab. Leider kommt er nicht auf die Idee, seine Befehlsgewalt über die Erste Ordnung zu nutzen, um alles zum Besseren zu wenden. Er hat sich halt moralisch verbessert, nicht kognitiv.
Dieser junge Mann schwört dem Bösen ab. Leider kommt er nicht auf die Idee, seine Befehlsgewalt über die Erste Ordnung zu nutzen, um alles zum Besseren zu wenden. Er hat sich halt moralisch verbessert, nicht kognitiv.

Hier nur eine winzige Auswahl des Versagens:

  • Rey und Kylo erhalten im Lauf der Handlung mehrfach aus dem Nichts neue Jedi-Fähigkeiten.
  • C3POs Gedächtnis wird gelöscht. Der Film lässt keinen Zweifel daran, dass damit ein unwiederbringlicher Schaden entsteht und dass ausdrücklich auch R-Zwo da nicht helfen kann. Wenige Film-Minuten später wird C3POs Gedächtnis durch R-Zwo wiederhergestellt.
  • Der Imperator klärt Rey darüber auf, dass sein Geist auf sie übergeht, wenn sie ihn tötet. Damit ist sie in einem furchtbaren Dilemma: Tötet sie ihn nicht, beherrscht er die Galaxis. Tötet sie ihn jedoch, beherrscht er auch die Galaxis. Und wie wird das furchtbare Dilemma gelöst? Das funktioniert so: Rey tötet ihn und sein Geist geht einfach doch nicht auf sie über. Ätsch, war wieder alles nur Verarsche.

 

Und so geht das den ganzen Film über. Wenn wir den Kontrollturm treffen, ist die Flotte führerlos. Der Kontrollturm wird getroffen, die Flotte ist natürlich nicht führerlos. Wenn wir den Sternzerstörer sabotieren, ist die Flotte führerlos. Der Sternzerstörer wird sabotiert, die Flotte ist natürlich wieder nicht führerlos. 

 

Und so weiter. 

Und so weiter.

Und so weiter.

 

Mit diesem Film hat die einst großartig begonnene Welt von Star Wars ihren Tiefpunkt erreicht.

 

 

 

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