Terry Pratchett

und die Scheibenwelt


Terry Pratchett (unten)
Terry Pratchett (unten)

Wer war der der erste Mann auf dem Mond? Neil Armstrong. Und wer war der zweite?

Wer ist die erfolgreichste britische Autorin? J.K. Rowling. Und wer steht an zweiter Stelle?

Es ist das Schicksal Zweitplatzierter, dass sie hinter dem Glanz der Goldmedaille verblassen.

Der über lange Zeit zweiterfolgreichste Autor hat das nicht verdient. Seine Bücher sind in vielerlei Hinsicht fantastisch. Die Scheibenwelt-Romane wurden sein Hauptwerk. Sie zeigen nicht nur eine Welt, wie sie bunter kaum sein könnte. Sie brachten zugleich einen exotischen Gedanken in die Fantasy: das Augenzwinkern. Neben dem schweren Pathos der x-ten Drachentöter-Saga gleiten Pratchetts Romane auf den leichten Schwingen der Ironie dahin.

 

Von der Pike auf

 

Nach ersten literarischen Gehversuchen in der Schülerzeitung machte Terry Pratchett eine Ausbildung zum Journalisten. Er lernte Klarheit, Ausdrucksstärke und Pointiertheit als Fundament des Berufes kennen und legte damit die Grundlagen für seinen eigenen Stil.

Auch inhaltlich wurde Pratchett hier geprägt. Die Medienkritik, die Mediensatire und ein scharfes Bewusstsein dafür, wie Meinungsmache und Manipulation funktionieren, finden sich immer wieder in den Scheibenwelt-Romanen.

1980 wurde Pratchett zum Pressesprecher des Central Electricity Generating Board. Die staatliche Strombehörde Großbritanniens bezahlte ihn also für kunstvolle Außendarstellung und verbale Schönfärberei. Eine Tätigkeit, die seine Fähigkeiten zusätzlich geschult haben dürfte, aber keine Herzensangelegenheit war. Sobald es ihm möglich war, vom Schreiben zu leben, machte er sich selbstständig und wurde ganz Autor.

 

Entschuldigung, vermisst jemand von Ihnen eine Banane?
Entschuldigung, vermisst jemand von Ihnen eine Banane?

Blüte

 

Pratchett verfasste alleine 41 Scheibenwelt-Romane und zahlreiche weitere Bücher. Die Scheibenwelt ist so flach, wie es ihr Name vermuten lässt. (Definition: Wenn man seitlich von der Scheibe fällt, ist es eine Scheibenwelt.) Die Scheibe ruht auf dem Rücken von vier riesigen Elefanten, die auf dem Panzer einer noch größeren Schildkröte stehen. 

Und diese Welt ist bevölkert mit einer Fülle von absurdem Personal. Man denke an wunderbare Figuren wie Rincewind, den Unfähigen (die Parodie eines Zauberers). Oder Oma Wetterwachs (eine liebevolle Persiflage älterer Damen). Oder den TOD, der stets in GROßBUCHSTABEN spricht (eine Satire auf den antiken Sensenmann).

Überhaupt war nichts vor Pratchetts spitzem Humor sicher. Er nahm Regierungssysteme aufs Korn, Versicherungen, Eisenbahnen, Postdienste, Polizeiarbeit, das Internet, organisiertes Verbrechen, Kriegsberichterstattung, Conan, den Barbaren, Goethe und Shakespeare, Momo, Rassismus, Vampire, Political Correctness, Rockmusik, Physik, Religion, Märchen, den Cthulhu-Mythos, Weihnachten und vieles, vieles mehr.

Wer seine Bücher kennt, weiß: Fantasy muss nicht pathetisch sein. Nicht bierernst. Und nicht flach. 

 

 

Engagement

 

Pratchett versteigerte regelmäßig unter seinen Fans Gastauftritte in seinen Werken. Den Erlös dieser Aktionen spendete er zum Schutze der vom Aussterben bedrohten Orang-Utans. Den friedlichen Menschenaffen setzte er ein literarisches Denkmal mit dem Orang-Utan-Bibliothekar der Unsichtbaren Universität. Wer dort ein Buch sucht, hört oft ein hilfreiches »Ugh«. Die Bibliotheksgebühr ist bescheiden: eine Banane.

Später engagierte Pratchett sich auch im Bereich der Sterbehilfe. Menschen, die unheilbar krank waren, sollten selbst entscheiden dürfen, wann sie ihr Leben beenden. Das Thema trieb Pratchett nicht zufällig um. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits an Alzheimer erkrankt. Der Verstand eines der geistreichsten Fantasy-Autoren begann langsam, sich aufzulösen.

Pratchett konnte schon bald seine Schreibmaschine nicht mehr benutzen. Er schrieb weiter mit Spracherkennungssoftware, schließlich mit Hilfe eines anderen Autoren. Während dieser Zeit warteten einige tödliche Pillen in seinem Haus darauf, von ihm geschluckt zu werden.

Den Büchern jener Jahre merkt man nichts davon an. Sie bewahren die heitere und lebenszugewandte Art Pratchetts.

 

Wenn Sie noch etwas Wichtiges zu erledigen haben, sollten Sie es nicht aufschieben.
Wenn Sie noch etwas Wichtiges zu erledigen haben, sollten Sie es nicht aufschieben.

Das Ende

 

2015 starb Pratchett nach langer und zermürbender Krankheit.

Nach seinem Tod reichten seine Fans eine Petition ein. Mit über 20.000 Unterschriften forderten sie den TOD auf, Pratchett zurückzugeben.

Bis heute warten wir darauf, wie er sich entscheidet.

 

 

Was bleibt

 

... sind natürlich Pratchetts wunderbare Bücher.

Dieser Artikel ist in Absprache mit audible entstanden, gibt aber nicht die Meinung von audible, sondern meine Auffassung wieder.

Kostenlose Hörproben zu Pratchetts Werken findet ihr hier: http://www.audible.de/search?searchAuthor=Terry+Pratchett

 

 

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