Das Problem des Zeitreise-Paradoxons

Von "Zurück in die Zukunft" bis "Dark" stellt die Zeit uns böse Fallen


Dieser bedauernswerte junge Mann hat "Das Imperium schlägt zurück" nicht gesehen und hält daher dunkle Höhlen für harmlos.
Dieser bedauernswerte junge Mann hat "Das Imperium schlägt zurück" nicht gesehen und hält daher dunkle Höhlen für harmlos.

 

Mit Dark wurde die erste deutsche Netflix-Serie gedreht – mit inzwischen zwei Staffeln.

Die Serie ist ganz wunderbar gelungen, hat allerdings auch das Potential, einem das Hirn zu verdrehen. Es wird (Stand: 2. Staffel) immerhin die Geschichte von fünf Familien auf inzwischen fünf Zeitebenen erzählt.

 

Um die schwierigen Figurenverhältnisse auf die Reihe zu bekommen, habe ich euch zwei Links eingefügt. (Ihr findet sie ganz am Ende des Textes auf der Unterseite zu Abschnitt 4).

 

Aber auch die Zeit selbst kann einem das Hirn verdrehen.

 

Jede Zeitreise-Geschichte muss direkt oder indirekt das Problem des Zeit-Paradoxons bewältigen. 

 

 

Was ist ein Zeit-Paradoxon?

 

Ein Zeit-Paradoxon entsteht, wenn ein Zeitreisender in der Vergangenheit etwas verändert, was die Bedingung der Zeitreise selbst in Frage stellt.

 

Beispiel: Das Papa-Paradox

Du reist in die Vergangenheit – das ist cool! Dort tötest du deinen Vater (das ist weniger cool, aber für das Beispiel nötig).

Jetzt kann dein Vater dich nicht mehr zeugen. Du wirst also nie geboren und kannst daher auch nicht die Zeitreise antreten. Deswegen wird dein Vater auch nicht umgebracht.

Weil er also doch überlebt, kann er dich wieder zeugen. Du wirst also dennoch geboren, trittst die Zeitreise an und tötest deinen Vater. 

Weil der nun doch tot ist, kann er dich doch nicht zeugen ... und so weiter und so weiter.

 

Ein unauflösbarer Widerspruch ... oder?

 

Findige Köpfe unter den SciFi-Autoren haben im Laufe der Jahre an diesem Problem herumgeknobelt und insgesamt vier (mehr oder weniger) überzeugende Lösungen gefunden.

 

Mögliche Lösungen des Zeit-Paradoxons:

 

Man beachte die symbolträchtige Zusammenstellung: Der gelbe Regenmantel verweist seit Stephen Kings "Es" auf Böses, die Kirchturmuhr im Hintergrund repräsentiert das Leitthema "Zeit".
Man beachte die symbolträchtige Zusammenstellung: Der gelbe Regenmantel verweist seit Stephen Kings "Es" auf Böses, die Kirchturmuhr im Hintergrund repräsentiert das Leitthema "Zeit".

1. Zeit ist unveränderlich

 

Alles, was geschieht, steht im Vorhinein fest und ist unveränderlich. Das liegt daran, dass die Gegenwart aus Sicht eines Zeitreisenden aus der Zukunft ja auch nur Vergangenheit ist. Und die Vergangenheit lässt sich bekanntlich nicht mehr ändern.

 

Natürlich versuchen taffe Roman- und Filmhelden das immer trotzdem. Und scheitern spektakulär.

 

Diese Lösung im Papa-Paradox:

Du reist in die Vergangenheit, um deinen Vater zu ermorden. Da die Vergangenheit aber schon feststeht und dein Vater nunmal vor deiner Zeugung nicht ermordet wurde, geht das schief. Du erschießt den Falschen, brichst dir den Hals, bevor du abdrücken kannst, änderst deine Meinung etc. Irgendwas kommt ja immer dazwischen.

 

 

Als Professor Himpert-Görmelich um 14:32 Uhr ein Shampoo zur Haarglättung testete, kollabierte das Universum.
Als Professor Himpert-Görmelich um 14:32 Uhr ein Shampoo zur Haarglättung testete, kollabierte das Universum.

2. Zeit ist paradox

 

Eine andere mögliche Lösung (eigentlich eher eine Nicht-Lösung) lautet: Man kann als Zeitreisender paradoxe Dinge durchaus tun. Aber weil das gegen die Naturgesetze verstößt, geschehen dann schreckliche Dinge.

Das Universum rächt sich oder das Universum kollabiert – so oder so, da will man nicht dabei sein.

 

Diese Lösung im Papa-Paradox:

Du reist in die Vergangenheit und erschießt deinen Vater. Daraufhin klafft ein Raumzeit-Riss auf und verschlingt dich und den halben Planeten. Die Höchststrafe für Zeitreisende ist nämlich nicht lebenslänglich, sondern Nicht-Sein. Inklusive Nicht-gewesen-Sein. Du bist ein für alle Mal vom Planeten getilgt und hast auch nie existiert.

 

Kreisförmige Strukturen regen seit jeher die Fantasie an. Diese hier wurde von mir fix aus einem Quadrat berechnet.
Kreisförmige Strukturen regen seit jeher die Fantasie an. Diese hier wurde von mir fix aus einem Quadrat berechnet.

3. Zeit ist zirkulär

 

Nach dieser Auffassung verläuft Zeit ohnehin kreisförmig. Das nahmen bereits die alten Griechen an, die davon ausgingen, dass die Welt ewig neu entsteht, untergeht, wieder neu entsteht und immer so fort.

Heute ist uns diese Vorstellung fremd geworden, weil unsere (technische) Fortschrittsgläubigkeit ein lineares Wirklichkeitsmodell voraussetzt. Dabei gibt es durchaus Theorien der Physik, die von einer ewigen Wiederkehr des Urknalls ausgehen.

 

Das Irre an einer zirkulären Zeit ist, dass alle Ereignisse sich damit in letzter Konsequenz selber zur Ursache haben. Wenn man gründlicher darüber nachdenkt, ist das aber auch nicht verrückter als das Gegenteil: Bei einem linearen Modell geht die Ursache immer der Wirkung voraus. Aber wie weit soll das gehen? Ewig? Und wenn es stattdessen eine erste Ursache gibt, warum hat die dann ihrerseits keine?

 

 

Diese Lösung im Papa-Paradox:

Du reist in die Vergangenheit und erschießt deinen Vater. Deine Mutter ist nun sehr traurig. Das nutzt der fesche Schorsch aus und hat eine Affäre mit ihr. Neun Monate später wird ihr gemeinsames Kind geboren: du!

Plötzlich begreifst du, dass der Mann, den du für deinen Vater hieltest, gar nicht dein Vater war. Die Ereignisse, die zu deiner Geburt führten, hast du selbst in Gang gesetzt. Die Ursache-Wirkungskette verläuft also kreisförmig.

 

In den 80er-Jahren konnte man zwar Eins-A-Zeitmaschinen bauen, aber leider keine Kamera unter 12 Kilo.
In den 80er-Jahren konnte man zwar Eins-A-Zeitmaschinen bauen, aber leider keine Kamera unter 12 Kilo.

4. Zeit spaltet sich

 

Die vierte und pfiffige Lösung des Zeitparadoxons lautet: Es gibt keines. Wenn in der Vergangenheit eine Änderung vollzogen wird, dann hat das keinen Effekt auf die Gegenwart.

Stattdessen spaltet sich eine parallele Zeitlinie ab, in der sich nun die veränderten Ereignisketten abspielen.

 

Natürlich kann das niemand besser als Zeitreise-Doc-Brown erklären.

 

 

Diese Lösung im Papa-Paradox:

 

Du reist in die Vergangenheit und tötest deinen Vater. Wenn du nun in die Gegenwart deiner Zeitlinie zurückkehrst, ist Vati aber nach wie vor putzmunter und ahnt nichts von deinem fragwürdigen Hobby.

 

Wechselst du stattdessen in die parallele Zeitlinie, dann ist dein Vater dort tot. Deine Mutter hat Jahre später einen anderen Partner gefunden. Die beiden sind Eltern eines Sohnes namens Gustav. Wenn das Schicksal fair ist, haben sie ihn viel lieber als dich.

 

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