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Basaltblitz - Superhelden

 

 

 

 

 

 

 

 

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Leseprobe: Basaltblitz - Geburt eines Helden
Was würdest du tun, wenn du über Nacht zum Superhelden wirst?
Basaltblitz - Geburt eines Helden - Lese
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Basaltblitz

Geburt eines Helden

1. Kapitel:

 

Komet

 

 

 

 

Nick hatte eine Scheißangst vor der Dusche.

Er war nur ein schmächtiger, blonder Junge vor dem Tor zur Hölle. Die Hölle, das war die Schwimmhalle. Und darin lauerte die Dusche, die ihn umbringen würde. In der Männer-Umkleide hockte sie und wartete wie ein Schwarm hungriger Piranhas auf seine hilflose Beute. Ihr gieriges Rauschen war bis hier draußen zu hören. In dem Geräusch des herabprasselnden Wassers flüsterte die dämonische Dusche: Du entkommst mir nicht! - Heute mache ich dich

 

 

 

 

 

fertig! - Davon erholst du dich nie wieder! ...

Nick presste den Rucksack vor den Bauch, als hätte er Bauchschmerzen. Wären es doch nur Bauchschmerzen! Aber das Problem saß viel tiefer. Er hielt den Eastpak fest umschlungen, seine Nägel verkrallten sich in den Unterarmen.

Und das Schlimmste: Er konnte sich nicht mal mehr krankmelden.

Um den Problemen zu entgehen, hatte er das so oft getan, dass sein Klassenlehrer Mama zur Schule bestellt hatte. Von dem Gespräch war sie ziemlich wütend nach Hause gekommen. Du wirst nie wieder blaumachen, hast du mich verstanden? Nie wieder!

Also litt er nun und sah dem unumstößlichen Untergang entgegen.

Seine Hinrichtung hatte in der Pause begonnen. Er blieb im Klassenraum, obwohl das eigentlich verboten war. Aber er versteckte sich gerne hier vor den anderen. Er war so in Sicherheit und er hatte seinen Frieden. Das Geschrei vom Pausenhof drang nur gedämpft herein und er konnte in aller Ruhe Comics lesen. Avengers, Iron Man, oder zur Not auch Justice League - wenn ihn niemand störte, schaffte er genau eine Ausgabe bis zum Klingeln.

 

Doch heute hatte ihn jemand gestört. Sven Fellenberg kam rein. Er war nicht auf herkömmlichem Weg gezeugt worden. Svens Eltern hatten ihn aus einem Katalog für Unterwäsche-Models ausgeschnitten. Zumindest sah er so aus. Er war einen halben Kopf größer als Nick, braungebrannt und sportlich bis in den letzten Muskel. Nick zuckte zusammen. Sven über den Weg zu laufen, verhieß normalerweise nichts Gutes. Aber jetzt war er ohne seine Leute unterwegs. Er machte keine spöttische Bemerkung und grinste auch nicht. Er guckte Nick nur kurz an und sagte »Hi«.

Nicht Hi, Arschgesicht.

Nur Hi.

Das war so ungewöhnlich, dass Nick nicht wusste, wie er darauf reagieren sollte. Er zögerte viel zu lange, bis er endlich mit »Hi« antwortete. Nun wirkte es doof.

Sven beachtete ihn gar nicht. Er ging zu seiner Tasche und begann, darin herumzuwühlen.

Nick tat so, als würde er seine Iron-Man-Ausgabe weiterlesen. Verstohlen blickte er alle paar Sekunden hinüber. Sven fummelte in seinen Sachen rum. Wäre Sven nicht Sven und Nick nicht Nick, hätte er einfach fragen können, was der andere da machte. Aber Sven war eben Sven. Sobald man Sven fragte, bekam man eine auf die Fresse. Und Nick war Nick und hatte ständig Angst, eine auf die Fresse zu bekommen.

Wenn er jetzt so darüber nachdachte, hätte er viel lieber eins auf die Fresse bekommen. Das Ergebnis wäre nun eine blutige Nase oder ein blaues Auge. Das würde wieder weggehen. Doch er hatte sich leider keine eingefangen und stand stattdessen hier und wartete. Wartete darauf, dass die Dusche ihn vernichtete.

Sven hatte ihn plötzlich angesehen. Nick versenkte den Kopf im Comic. Scheiße, zu spät!

»Willst du auch mal?«, fragte Sven.

Nick starrte ihn an wie ein Rehkitz in dunkler Nacht die Autoscheinwerfer. Wenn Sven ihn überhaupt mal etwas fragte, dann nur Bist du schwul, oder was? Jetzt hielt er eine Tupperdose in der Hand. Und es sah tatsächlich so aus, als ob er ihm den Inhalt anbieten würde.

Nick musste irgendwie reagieren. Schnell, bevor es peinlich wurde. Er schüttelte den Kopf.

 

Sven zuckte mit den Achseln. Er zog aus einer ganzen Tüte voller Plastiklöffel einen raus.


Mit dem spachtelte er eine punktierte Masse aus der Dose in den Mund. Er kaute nicht. Er schloss die Augen und nuckelte sie langsam. Als sie völlig weg war, öffnete er die Augen wieder. »Geil!«

Nick versuchte, sich nichts anmerken zu lassen. Aber er kämpfte mit sich. Das war Sven Fellenberg. Sven, der ihm im letzten Jahr den Rucksack ins Schulklo ausgekippt hatte. Sven, der Nicks Unterhose aus der Schwimmtasche genommen und ans Drei-Meter-Brett gehängt hatte. Es gab immer noch Fotos davon auf Facebook. Man konnte deutlich den Spongebob vorne drauf erkennen. Doch es war auch Sven, den alle ganz toll fanden. Jedes Mädchen in der Stufe, das eine Party feierte, fragte zuerst Sven, ob er kommen wollte. Selbst die älteren Mädchen eine Klasse höher rissen sich um ihn. Und die Jungs fraßen ihm aus der Hand. Er hatte normalerweise ständig seine Clique um sich. Wenn Sven sich das neue iPhone kaufte, hatten eine Woche später alle übrigen ebenfalls das neue iPhone.

Stellte er sich mit dem Anführer besser, konnte das ein Ticket raus aus Verarsch-mich-Hausen sein. Die anderen hörten auf Sven. Er bräuchte nur eine Bemerkung zu machen wie: He, Leute, das ist mein Kumpel Nick. Und es würde ihn nie wieder jemand belästigen.

Nick kratzte sein bisschen Mut zusammen. »Was hast du denn da?«

»Komet«, sagte Sven. Er schob sich einen Löffel zwischen die Zähne und nuschelte: »Komet - blaue Grütze. Einfach genial.«

 

»Cool.« Nick wusste, dass das zu wenig war. Er müsste jetzt irgendetwas sagen. Etwas Kluges. Oder etwas Witziges. Damit Sven merkte, dass es sich lohnte, sein Kumpel zu sein. »Die schmeckt bestimmt toll.« Oh, nein! Das war weder klug noch witzig. Das war ein Volltrottel-Satz, mit dem ein Volltrottel praktisch ausrief: Seht alle her, ich bin ein Volltrottel!

Sven mahlte auf dem Brei rum. Er schluckte genüsslich. Dann grinste er mit lila Zähnen. »Willst du wirklich nicht probieren?«

»Doch.«

Nick schob den Comic zu den anderen in den Rucksack. Hauptsächlich, um kurz nachdenken zu können, was er jetzt tun sollte. Er durfte auf keinen Fall wieder wie ein Idiot dastehen.

Betont lässig ging er hinüber.

Sven fischte für Nick einen eigenen Löffel aus der Tüte und steckte ihn in die lila-blaue Masse. Nick bediente sich. Das Zeug zerging auf der Zunge. Es war glibbrig-süß und lecker und schmeckte irgendwie nach Beeren.

»Und?«

»Geil!«

Sven boxte ihn vor die Brust, dass man die Rippen krachen hörte. »Weißt du, eigentlich bist du gar nicht so übel.« Und er grinste sein gewinnendes Sven-Fellenberg-Grinsen. Nur ein bisschen violetter.

Das war in der ersten großen Pause gewesen.

In der darauf folgenden Englischstunde hatte es angefangen.

Mr Bendemann fragte Kim Petersen nach dem Present Perfect Progressive. Und Kim strich sich die neckischen braunen Löckchen aus dem Gesicht und antwortete gewohnt souverän. Das PPP werde verwendet für nicht abgeschlossene oder in die Gegenwart fortwirkende Ereignisse oder man könne damit in besonderer Weise die Handlung als solche betonen. Genau da geschah es.

 

Nick bekam schlagartig einen Steifen.

Er rutschte unruhig hin und her und sah sich um. Er hatte das Gefühl, alle würden es sehen. Aber die Klasse döste während Kims Vortrag vor sich hin.

An Kim lag es nicht. Die fand er nicht halb so scharf wie Lina. Oh Gott, jetzt bloß nicht auch noch an Lina denken!

 

Nick konzentrierte sich krampfhaft auf das Present Past Progressive. 


Kim leierte Beispiele herunter. Das war so langweilig, dass man damit kranke Katzen einschläfern konnte. Doch Nicks kleiner Freund wollte sich einfach nicht wieder beruhigen.

Die Englischstunde dehnte sich in alle Ewigkeit. Nick sah ständig auf die Klassenuhr in der Panik, Bendemann würde ihn an die Tafel rufen. Er wartete und betete. Aber es wurde nicht besser. Nach der Stunde blieb er sitzen.

In der Vierten war Erdkunde. Windisch - klein, dick und kahl - neigte zur Hyperaktivität. Heute verteilte er Arbeitsblätter. Wie immer schaltete sein Mund dabei auf Sprechautomatik und er textete ununterbrochen über die besondere Zweischichttonmineralienstruktur von Regenwaldböden. Falls man es schaffte, ihm lange genug zuzuhören, konnte man den Lückentext ausfüllen, ohne dass man gelernt haben musste.

Nick kritzelte nervös auf dem Blatt herum und trug von Zeit zu Zeit einen Fachbegriff ein, wenn Windischs Endlosschleife einen ausspuckte. Windisch war nicht das Problem. Den Mann brauchte man nur reden lassen, und er ließ einen in Ruhe. Das Problem war die Fünfte.

Sport.

Die Stunde rückte unaufhaltsam näher. Nick hatte natürlich schon häufiger einen Steifen bekommen. Er konzentrierte sich dann auf etwas anderes und alles beruhigte sich wieder. Diesmal funktionierte es nicht.

Er dachte an Zahnschmerzen, an hässliche Mädchen, an fiese Hautkrankheiten, an Eimer voller Kotze. Es half nichts. Lag es an Sven? Nach der Pause mit Sven hatte es angefangen. Sicher, er sah gut aus. Aber ich bin doch nicht schwul oder so?

Und jetzt stand Nick vor dem Tor zur Hölle.

 

Er hatte es bis hier geschafft, indem er sich vor, während und nach der Busfahrt den Rucksack vor den Bauch presste. Noch schützte ihn der Eastpak. Nur gleich, in der Umkleide ...

Er konnte sich nicht mehr krankmelden.

Aber wenn er erst in der Umkleide war, war alles zu spät.

Dammrau schloss die Tür auf. Die Frau sah so sportlich aus, wie sich das für eine Sportlehrerin gehörte, obwohl sie ungefähr zweihundert Jahre alt war. Ihr eisgrauer Schopf leuchtete über die Schülerköpfe hinweg.

Die anderen strömten hinein. Nick ging zu Dammrau. Er sagte, er habe seine Schwimmsachen vergessen.

Sie antworte ihm mit einem mitleidigen Lächeln. »Nieländer, für die Nummer kannst du dir ´ne Dümmere suchen. Du hast deine Sachen dabei. Und wenn nicht, bekommst du eine von den Reservehosen.«

Nick verstummte.

Mit einer Reservehose lachten einen garantiert alle aus. Nicht dass das heute noch einen Unterschied machen würde. Er war ohnehin nur Millimeter davon entfernt, vor Scham zu sterben.

Er schlurfte in die Umkleide.

Er zog sich ganz in eine Ecke zurück und drehte den Jungen den Rücken zu. Er hasste das Umziehen. Schon unter normalen Umständen machten sich die anderen über ihn lustig. Weil er so dünn war, dass er angeblich jederzeit durchbrechen konnte, nannten sie ihn Knick. He, Knick, sei nicht traurig, mit deiner Mädchenfresse kannst du mir immer noch einen lutschen!

 

Nick zog sich das Hemd so langsam über den Kopf, wie es nur irgendwie möglich war. Dann kramte er in seiner Tasche, als würde er etwas suchen. Weil ihm nicht Besseres einfiel, nahm er den Ant-Man-Comic raus und blätterte darin. Er nahm die Bilder überhaupt nicht wahr. Er versuchte, Zeit zu schinden. Endlich hörte er, wie der Raum hinter ihm leerer wurde.

Ob er einen Blick riskieren sollte? Nick sah kurz auf. Scheiße, Marcel, Luca und Sven waren noch da! Sven sah in der Badehose aus, wie ein Mann eben aussehen sollte.


Und auch Marcel und Luca waren viel kräftiger als Nick. Sie waren breitschultrig mit starken Armen und tellergroßen Händen. Marcel hatte Millionen Sommersprossen auf den muskulösen Unterarmen, bei Luca trat jede Sehne einzeln hervor.

Hoffentlich bemerken sie mich nicht. Nick drehte sich mit dem Gesicht zur Wand.

Draußen brüllte Dammrau ihre Namen. Jetzt mussten die Drei doch endlich verschwinden.

Nick legte den Comic neben seinen Rucksack. Sehr umständlich kramte er nach seiner Badehose. Er konnte immer noch Marcels Stimme hören. Wenn die sich unterhielten, würden sie ihn vielleicht gar nicht bemerken.

Dammrau brüllte schon wieder nach ihnen.

Nick zog sich mit einem Ruck Hose und Unterhose gleichzeitig runter. Sein Schwanz hatte sich immer noch nicht beruhigt. Nick fummelte die Hosen über die Füße und warf sie auf die Bank. Er griff nach der Badehose. Kurz bevor seine Finger sie erreichten, fischte Marcel sie ihm weg.

»He, Knick, mit so was geht meine Oma schwimmen!«

Nick drehte sich nicht um. Er zog die Schultern und den Kopf ein. Und er bemühte sich, so normal wie möglich zu klingen. »Gib sie mir wieder.«

»Komm doch und hol sie dir!«

Nick schlang die Arme um sich, als fröre er. Irgendwo hinter ihm musste Sven stehen. Eigentlich bist du gar nicht so übel, hatte er gesagt. Wenn Sven sich einschaltete, würde Marcel die Hose sofort zurückgeben. He, Leute, das ist mein Kumpel Nick. Das war alles, was er sagen musste. Nick wartete und setzte seine ganze Hoffnung darin.

»Hey, der will seine Badehose überhaupt nicht wieder.« Marcel klang enttäuscht.

Luca lachte auf. »Das ist bestimmt voll so´n Perverser. Guck mal, wie der da steht. Als ob er an die Wand wichsen wollte.«

Und plötzlich packte Marcel Nick am Arm und riss ihn herum.

Nick stand vor ihnen.

Alle drei rissen die Augen auf.

Und Nick stand da. Das Gesicht in Entsetzen erstarrt. Die Arme wie zwei Streichhölzer vor der dürren Brust. Die Beine dünn wie Stelzen, mit dicken Knien in der Mitte. Und darüber das, was sie niemals hätten sehen dürfen.

Vor ihm die drei Erstarrten.

Marcel fing sich als Erster wieder. Seine Lippen verzogen sich zu einem Grinsen, so breit, dass es Zähne und Zahnfleisch bis zum Anschlag entblößte. »Alter, da ist meiner ja doppelt so groß, wenn er hängt!«

Nick stand da wie stumpfsinnig. Seine Mundwinkel waren herabgesunken. Seine Schultern hingen. Seine Hände baumelten haltlos. Nur sein verdammter Schwanz stand noch immer aufrecht. Winzig. Lächerlich, kaum das Schamhaar hinter sich lassend.

Und endlich sagte Sven etwas. Als Nick seine Stimme hörte, glomm ein letzter Funken Hoffnung in ihm auf. Dass er den beiden verbieten würde zu reden. He, Leute, niemand darf das je erfahren! Dass er dafür sorgen würde, dass nichts davon jemals diesen Raum verließ. Sven sagte: »Geil! Wer konnte denn ahnen, dass Viagra sich so lohnen würde?«

Nick sah Sven an. Der feixte. Er krümmte sich vor Lachen. Und Nicks gelähmter Verstand zermahlte grammweise die Bedeutung dieser Worte. Viagra? Blaue Grütze. Svens ungewohnte Spendierfreudigkeit. Und dann die Erektion, die einfach nicht mehr aufhören wollte ...


Plötzlich redeten und lachten alle drei lauthals durcheinander. Beglückwünschten Sven zu seiner Genialität. Ließen Spottnamen auf Nick niederprasseln. Und immer wieder riefen sie Schrumpfpimmel, Schrumpfpimmel.

Sie konnten es nicht fassen. Er, der Loser vom ersten Tag an, versagte aber auf wirklich jedem Zentimeter! Und bei Zentimeter wieherten sie wieder los. Sie klopften Sven auf die Schulter und lachten, bis ihnen die Köpfe rot anliefen.

»Was ist hier los?«

Plötzlich stand Dammrau in der Tür.

Die Drei fuhren auf dem Absatz herum und unterdrückten das Lachen.

Nick stand nur da. Elend, Haut und Knochen. Dammraus Blick stumpf erwidernd wie ein Schwachsinniger. Das grotesk winzige Glied stehend.

Dammraus Miene versteinerte. Sie sah über alle drei Jungen hinweg und dann Nick an.

»Wir machen nur ein bisschen Spaß«, sagte Sven.

Und während er ein bisschen sagte, zeigte er mit Daumen und Zeigefinger hinter dem Rücken einen winzigen Abstand.

 

 

- Ende der Leseprobe -